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ralph's blog |
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| tag 4 | 22.11.08 |
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| 4. tag |
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lille, 22. november
....blechbrillenverkaeufer ist kein sofajob. eher ein nicht-sofajob. heute hier, morgen da, so singe ich mir mein lied. im flugzeug von hong kong nach paris genoss ich keinerlei sonderprevilegien trotz meines superplatinplus status... ein enger fensterplatz in reihe 41... ehrlich gesagt total zum kotzen, da ich minimun 5 mal auf klo muss waehrendeines 12 h fluges. zufaellig entdeckte ich dann aber einen freien notsitz und zog adhoc dorthin um. beinfreiheit bis auf den tuerabsatz und ein oberflaechlicher schlaf, der den naechsten tag nicht zur totalkatastrophe werden laesst... nun, dann eben berlin und direkt weiter ueber bruessel nach lille. zwischenzeitlich hat mir der chinesische zoll noch mein sampleset abgenommen, die beamten muessen gedacht haben, ich plane einen illegalen strassenhandel mit nicht versteuerter ware, wie hier die vietnamesen mit der rauchware. anyway... jetzt lille bei superkunden. philippe ragons opticien... freunde der ersten stunde, und weil sie so nett und aufgeschlossen sind, darf ich ihrer kueche direkt ueber dem laden meinen schokoladenkuchen backen und deshalb muss ich jetzt abbrechen, weil ich checken muss, ob verbrannt....
soweit, ralph the runner
...2 schokoladentorten fertig.. schokolade fuer guss zu fluessig. die schokolade ist ueber die ufer getreten und hat die kuechenarbeitsplatte inschokoladiert. es hinterblieben zwei schokoladenkreise wie brillen... das passt, ich habe es so gelassen fuer die ewigkeit. in die mitte zwei zuckerwuerfel gelegt. die schoensten menschen der stadt scheinen sich hier verbredet zu haben. kinder, frauen, maenner der aesthetische spitzenklasse. ich kann es kaum glauben.. tja, wie das essen, so die menschen... nun, ich werde mich wieder der situation zuwenden und melde mich in 23 sekunden...
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| tag 3 | 17.11.08 |
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| 3. tag |
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... ein ploetzliches zeitloch beschert mir 2 leere stunden. keine termine oder so... ich irre im stadtteil "central" herum mit meinen sampletaschen. millonen menschen rennen umher und es gibt fast so etwas wie pedestrian-traffic-jam. schrecklich, diese vollheit. dafuer habe ich heute schon viele brillen verkauft. insgesamt glaube ich sogar schon fast 200. jetzt sitze ich in der sonne (!) vor einem modernen bankgebaeude. in die shoppingcenter gehe ich eher ungern, weil es dort so kalt ist. das zweite problm ist, dass ich mir in meiner grenzenlosen einfalt einen starbucks wuensche mit kuschelsesseln ... aber den finde ich nicht. nach kurzer nacht brennen meine augen mal wieder. eine gewisse grundmuedigkeit kriecht in mir hoch... vielleicht in der metro schlafen? einmal endstation und zureuck fuer die siesta...bankmenschen um mich herum. z.t. britisch arrogantes aussehen, leicht gebrochen durch die geldkrise... europa schlaeft noch und ich haette auch lust darauf.
lunch im biologischen "mix" schnellimbiss. salat eine rolle mit pilzen. dazu ein aloe-wassergras getraenk, in dem geleeartige gubbel schwimmen. das scheint der natuerliche bioanteil zu sein. nebenbei zaehle ich ic! berlin brillen auf vorbeilaufenden bankern. drei habe ich schon gezaehlt. man erkennt die banker daran, dass sie ein telefonknopf im ohr und/oder eine zugangsberechtigungskarte um den hals haben, oder dass sie anzug tragen und die "international herald tribune" lesen, wie der mann, der sich soeben zu mir gesetzt hat. also alles sehr simplel und die autos, die an meinem fenster vorbeifahren sind sehr groß und teuer. pausen sind durchaus positiv, wenn auch langweilig. nee, langweilig nie, aber man muss dann nachdenken, was man machen soll...
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| tag 2 | 16.11.08 |
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| 2. tag |
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das jetlag verabschiedet sich langsam. ich habe bis weit in den spaeten vormittag hinein geschlafen. die sonne knallt schraeg in mein schlafzimmer. meine muedigkeit hat eine solch intensive dichte, dass mich das licht nicht beim schlafen stoert. langsam gewoehne ich mich an die stadt und das blechbrillenverkaufen in diesem moloch. ich bin wieder in dieser strasse, in der einen staendig maenner mit "hello my friend..." ansprechen und irgendwas verkaufen wollen. ich ignoriere sie so konsequent, dass ich nicht mitbekomme, ob es sich um drogen, hotelzimmer oder geschlechtsverkehr handelt.
jetzt sitzt ich wieder bein einem kunden und warte auf den chef, der noch einen kunden hat. sehr angenehmes ambiente. Ÿberall unsere brillen und die anmutung insgesamt ist europaisch. schoene menschen arbeiten hier.
vielleicht besorge ich mir zwischenzeitlich noch ein 200%iges kakao-getraenk beim seven-eleven next door. es gibt eine breite auswahl an milchgetraenken. hmm soll ich?
dann wurde ich eben zeuge eines traenenerfuelltten streites auf einer parkbank. mutter oder gro§mutter mit tochter, bzw. enkeltochter. es wurde deutsch gestritten... die tochter heulte die ganze zeit: "immer sei sie an allem schuld..." die aeltere frau mit hartem gesicht. ich haette mich fast eingemischt und die junge frau zum blechbrillenverkaufen eingeladen... vielleicht haette ihr das geholfen, wenn sie nicht wirklich an allem schuld ist. das haette mir dann auch geschadet... anyway. beide sind schlie§lich streitend aufgebrochen, zurueck in ihr hotel. schicksale im fernen osten. wie schade, dass sie sich nicht vergnuegen koennen.
weiter warte ich und soll ich etwas trinken. unhoeflich sollte es nicht sein und energie ist auch wichtig... hmmm, sage ich da mal wieder und waere lieber am sonnenpool in meinem hotel auf dem dach... ja, den gibt es tatsaechlich im 76. stockwerk. that's the place to be... but... ich habe verschlafen und jetzt eben das blechbrilleverkaufending.
hier war mein mobiler computer ploetzlich abgestuerzt und wie durch ein wunder ist der text nicht weg... deshalf fuege ich jetzt auch nichts mehr hinzu...
tag 2, am abend
....es ist so wunderbar am abend nach getaner arbeit in diesem amerikanischen weltweit gleichen kaffeehaus abzuhaengen und einen heissen kakao zu trinken. nach ca. einer stunde andauernden feierabendduschens... hot water all over...was fuer ein genuss. der weitere ritus ist abendsport = seilspringen 17 minuten und ein japanisches heisses bad. dann zeitung lesen, ein buch, fernsehen und einschlafen.
in fremder einsamkeit braucht man rituale, an denen man sich festhalten kann.
und sogar die verkauften brillen gezaehlt. we ein echter salesrep, der dann jetzt hong-kongdollar-zeichen in den augen haben muesste. ja, es ist gut gelaufen und ich habe fast das planziel erreicht. wahrscheinlich werde ich morgen noch einen kunden besuchen, der nicht besucht werden will, und ihm ganz viele brillen verkaufen, weil er einsehen muss, wie toll die sind.. das koennte passieren.
diese entspannung in dieses kaffeehaussesseln ist ungeheuerlich. das cafe scheint bis nach zehn aufzuhaben oder die servicekraefte sind sehr offen mit dem gaestekehraus.
und immer wieder, die aussendienslereinsamkeit. wie halten meine kollegen das aus. wobei gewoehnung einiges ausmacht und ich bin noch ein absoluter frischling. anfaenger. es koennte leichter werden - oder schwerer... wenn man die kunden laenger betreut, lernt man sie kennen und kann etwas mit ihnen unternehmen. das hilft, denke ich mir. wo man doch praktisch keine anderen menschen kennenlernt.
in der u-bahn bin ich auf einen echten ic! berlinbrillentraeger gesto§en. ein programmierer mit frau und kind. wir haben uns kurz unterhalten, ich habe mich bedankt, dem kind eine minibrille geschenkt und die visitenkarten getauscht. ...wenn sie mal nach berlin kommen...
das war der tag... so sagt der tagesthemensprecher am ende der sendung und ich mache das jetzt auch so, obwohl sonntag ist und es hier und in deutschland diese sendung nicht gibt.
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| tag 1 | 15.11.08 |
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| 1. tag |
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....es beginnt in hong kong... die berichte eines reisenden. genauer, der bericht des blechbrillenverkaeufers ralph anderls. das bin ich und das ist die gleiche person, die sie erreichen, wenn sie den spruch auf der brillendose ernst nehmen: "questions, call ralph: +49 177 240 9 150".
in genau diesem moment sitze ich bei einem optiker in der cameron strasse und warte darauf, dass er sich die brillen ansieht und dann kauft. die muedigkeit der langen reise, auch jetlag genannt, sitzt mir in den knochen. die augen brennen. ich koennte adhoc auf meinem wartestuhl einschlafen. wie soll ich bloss gleich die brillen praesentieren? wenigstens ist es schoen warm und die sonne scheint. november, der beste monat fuer diese stadt, sagte mir der servicemann im hotel...
diese stadt ist so voll wie tokyo, aber ohne deren gute manieren. so kann man es sagen. schoene menschen gibt es auch keine. zumindest sind mir keine ueber den weg gelaufen. alles ist riesig und vollgepackt. wie halten es die menschen hier aus? indem sie konsumieren und ihren zielen hinterherrennen. das heisst, das hauptziel ist ueberleben, bzw. reich werden. wer das schon ist, kaempft darum, es zu bleiben oder das geld auszugeben, also es zu zeigen. hong kong ist eine geldstadt. das ist der hauptinhalt. darueber hinaus kann ich nicht so viel erblicken, aber das liegt eher am jetlag, als an meiner objektiven wahrnehmungsfaehigkeit.
und damit es nicht langweilig wird, flimmert alles. z.b. im hotel: der boden des fahrstuhls ist ein bildschirm, auf dem wilde animationen laufen, genau wie auf einem monsterscreen hinter der anmeldung. ueberall ist musik und damit unruhe. des nachts rauscht die klimaanlage und natuerich lassen die fenster sich nicht oeffnen. mein zimmer hat keine praemienaussicht, liegt aber dennoch im 31. stockwerk. alles ist schoen und hochtechnisch. der ipod laesst sich ueberraschend einfach mit dem soundsystem verbinden... whow, technik, die begeistern kannÉ -sagt man das so?
und ich warte noch immer...ob dieses schreiben negativ, also verlaengernd auf die wartezeit wirkt? weil die freunde hier im laden denken, ich sei ja beschaeftigt? oder ich schlafe einfach auf dem stuhl ein und falle dann im tiefschlaf in die brillendekoration.
jetzt kommen neue kunden und ich befuerchte schlimmes. bin bereits eine halbe stunde ueber der zeit. fuer einen echten salesrep wahrscheinlich nichts besonderes... aber fuer mich?!
der optiker entschuldigt sich und klopft mir auf die schulter. ich werde immer mueder und mueder. erhoeht die wartezeit die abnahmemenge? warum kommt sie jetzt, wo in europa aufstehzeit ist. samstag... europa ruht, waehrend asien ackert. wochenenden gibt es hier nicht. der urlaub bezieht sich immer auf den gesamtumfang aller arbeitstage, incl. sams- und sonntage.
ich lehne mich jetzt an meine sampletasche und schlafe ein. oder ich kaufe mir ein getraenk. besonders bloed bzw. erschwerend kommt die christliche weihnachtsfastenzeit hinzu. da trinke ich keinen tee. kaffee ja eh nicht, also keine aufputschenden aufgussgetraenke. alles nicht = total muede. nach drei bis vier tagen ist das vorbei, davor aber die hoelle. die fastenzeit beginnt am 12.11. das war vor 3 tagen.
gute nacht!
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ich warte immer noch... in preussischer manier natuerlich nicht eingeschlafen. meine augen drohen aus ihren hoehlen zu rollen. ich kann sie kaum noch offenhalten. die unentwegt hupenden autos halten wach. sobald ich die augen fuer mehr als 10 sekunden zumache, traeume ich weg in ferne traumwelten. ich glaube ich kaufe mir im nachbarladen noch ein getraenk...das koennte helfen...
...weiter im text: nein ich bin nicht eingeschlafen und die freundlichen kunden haben ordentlich geordert. trotz finanzkrise. was fuer ein job, blechbrillenverkaeufer!! immerauf achse in oder an den brennpunkten dieser welt... leute treffen, die etwas bewegen und sich auskennen. in der fremde mit einheimischen in kontakt zu kommen, zeigt dem reisenden das wahre gesicht einer stadt. kann man das so sagen? ich hatte heute meinen spass, trotz muedigkeit und finanzkrise. die metro ist uebersichtlich und sauber, das shoppingcenter, in dem mein hotel steht, ist das schoenste und aussergewoehnlichste auf der ganzen welt. ich habe sogar schon meinen individuellen stamm-starbucks gefunden. und wenn ich auch wegen der fastenzeit keinen tee trinken darf (verordnung des papstes), so geniesse ich den koestlichen heissen kakao.. dazu wie immer den kostenlosen becher heisses wasser.
morgen besuche ich wieder drei kunden. sonntage zaehlen in asien nicht - hier wird durchgearbeitet und ich gerne mit...
sommerlich sind die temperaturen und ich werde meine braunen sandalen anziehen. dazu die bunte hose und das hawai-shirt...
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